TRANS-RESVERATROL

  • Resveratrol ist der Wirkstoff, der Rotwein gesund macht.

  • Resveratrol wirkt aufs Herz-Kreislauf-System.

  • Resveratrol wirkt auf Gehirn und Nerven.

  • Resveratrol hat Anti-Aging-Effekte.

Wie wirkt trans-Resveratrol?

Resveratrol ist der Wirkstoff, der Rotwein zu dem Ruf verholfen hat, gesund fürs Herz zu sein. Resveratrol (eigentlich trans-Resveratrol) ist eine natürliche Verbindung (Polyphenol), die in der Schale von Weintrauben, Japanischem Staudenknöterich, Erdnüssen, Pflaumen, Heidelbeeren und einigen anderen Beeren vorkommt. Wie inzwischen bekannt ist, hat Resveratrol vielfältige biologische Wirkungen.

Vor allem folgende Effekte von Resveratrol könnten gesundheitlich interessant sein. Die Wirkung von Resveratrol auf:

  • das Herz-Kreislauf-System (kardiovaskuläre Effekte, Arteriosklerose, Blutdruck),

  • den Blutzuckerspiegel (Diabetes, metabolisches Syndrom),

  • das Altern (Anti-Aging-Effekte),

  • die Nerven (neuroprotektive Wirkung bei Schlaganfall und Glaukom),

  • das Gehirn (Alzheimer-Demenz, Gedächtnis, Kognition),

  • die Hautgesundheit.

An kaum einem anderen Pflanzenstoff hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten mehr geforscht als Resveratrol. Seit seiner Entdeckung 1939 wurden mehr als 12.000 wissenschaftliche Arbeiten über trans-Resveratrol veröffentlicht und mehr als 200 klinische Studien am Menschen durchgeführt.

Was ist trans-Resveratrol?

Chemisch gehört Resveratrol zur Gruppe der so genannten Polyphenole, das sind sekundäre Pflanzenstoffe, mit denen sich Pflanzen zum Beispiel vor schädlichen Einflüssen wie Infektionen, Fressfeinden oder UV-Strahlung schützen.

Wie kommt das Resveratrol in den Rotwein?

Die herzschützende Wirkung von Rotwein führt man auf seinen Gehalt an Resveratrol zurück. Wie kommt Resveratrol in den Wein und warum ist es nur im Rotwein? Resveratrol ist zwar in den Schalen und Samen roter und weißer Weintrauben enthalten. Allerdings geht es – zusammen mit der roten Farbe – nur bei der Gärung von Rotwein in den Wein über. Beim Weißwein ist dafür keine Zeit, denn der Traubensaft wird sofort nach dem Keltern von den Traubenresten getrennt. Die Menge an Resveratrol ist allerdings auch im Rotwein sehr gering – max. 14 mg/l. Die meisten in den Studien mit Resveratrol erzielten Effekte sind mit Weinkonsum nicht zu erreichen!

Trans-Resveratrol – Wirkung

Resveratrol wirkt als Antioxidans oder Radikalfänger und schützt Zelle und Organismus vor schädlichen freien Radikalen. Dabei handelt es sich um so genannte reaktive Sauerstoffverbindungen, die als Abfallprodukt im Zellstoffwechsel entstehen, in der üblichen Menge vom Organismus aber ausreichend abgefangen werden können. Gerät die Zelle jedoch in Stress, sei es durch:

  • Verletzungen,

  • Infektionen, Parasiten,

  • zu starke (UV)-Bestrahlung,

  • Gifte u. a. schädliche Umwelteinflüsse

  • oder vielleicht auch nur als eine Art „Alterserscheinung“,

dann können freie Radikale in so großer Menge entstehen, dass die Zellen sie irgendwann nicht mehr so einfach verarbeiten kann. Damit keine Schäden auftreten, braucht die Zelle zusätzliche Radikalfänger, wie zum Beispiel Resveratrol.

Die Radikalfänger-Wirkung des Resveratrol könnte also sein Anti-Aging-Potenzial erklären und die Tatsache, dass Resveratrol das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senken kann. Die Effekte sind allerdings nur bei hohen Konzentrationen von Resveratrol nachweisbar, die durch den Verzehr von Rotwein oder Resveratrol-haltigen Lebensmitteln allein kaum zu erreichen sind.

Studien zu trans-Resveratrol

Wie zahlreiche Studien gezeigt haben, besitzt Resveratrol ein sehr hohes antioxidatives Potenzial.

Resveratrol zeigte aber auch verschiedene andere Wirkungen. So fasst eine Übersichtsarbeit von 2016 zusammen (1): „Resveratrol bietet eine breite Palette von Vorteilen, einschließlich kardiovaskulärer Schutz-, Thrombozyten-, antioxidativer, entzündungshemmender, blutzuckersenkender und krebshemmender Aktivitäten, und weist dabei eine vielfältige Wirkungsweise auf. In den letzten Jahren wurden diese Eigenschaften in Tier- und Humanmodellen, sowohl in vitro als auch in vivo, umfassend untersucht. In diesem Beitrag sollen die in den letzten Jahren veröffentlichten Informationen über die biologischen Aktivitäten und vielfältigen Wirkungen von Resveratrol vorgestellt werden.“ (übersetzt aus: L. Kuršvietienė et al., 2016)

In dieser Übersichtsarbeit werden dem Resveratrol u.a. folgende Wirkungen zugeschrieben:

  • blutdrucksenkend

  • entzündungshemmend

  • krebshemmend

  • neuroprotektiv (d.h. es schützt die Nerven vor Schädigung, z.B. bei Alzheimer oder Schlaganfall)

  • Schutz des Herz-Kreislauf-Systems (kardiovaskulär)

Im Folgenden stellen wir einige der wissenschaftlichen Arbeiten zu Resveratrol vor:

Trans-Resveratrol und Blutdruck

Eine Studie von 2015 kam zu dem Schluss, dass hohe Dosen von Resveratrol helfen können, den systolischen Blutdruck zu reduzieren. (2). Der systolische Blutdruck (die erste Zahl bei den Blutdruckmesswerten) steigt typischerweise mit dem Alter an, da sich die Arterien versteifen. Wenn er hoch ist, ist das ein Risikofaktor für Herzkrankheiten.

Resveratrol scheint diesen blutdrucksenkenden Effekt zu erreichen, indem es hilft, mehr NO zu produzieren. NO ist die natürliche Signalsubstanz, die zur Entspannung der Blutgefäße führt.

Trans-Resveratrol hat einen positiven Effekt auf die Blutfette

Wie Studien an Tieren nahelegen, kann Resveratrol die Blutfette auf eine gesunde Weise verändern. So wurden Mäuse mit einer proteinreichen Ernährung mit hohem Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren gefüttert und zusätzlich wurde ihnen Resveratrol gegeben. Wie die Forscher herausfanden, sank trotz der ungesunden Ernährung der durchschnittliche Gesamtcholesterinspiegel und das Körpergewicht der Tiere, während der Spiegel des "guten" HDL-Cholesterins stieg. Die Autoren nehmen an, dass Resveratrol den Cholesterinspiegel beeinflusst, indem es die Wirkung eines Enzyms reduziert, das die Cholesterinproduktion kontrolliert (6).

Als Antioxidans kann Resveratrol auch die Oxidation des "schlechten" LDL-Cholesterins verringern (5). Die LDL-Oxidation trägt zur Plaque-Bildung in den Arterienwänden bei, eine Erkrankung die als Arterienverkalkung (Atherosklerose oder Arteriosklerose) bekannt ist.

In einer klinischen Studie wurde den Teilnehmern ein Traubenextrakt verabreicht, der mit zusätzlichem Resveratrol angereichert worden war. Nach sechsmonatiger Behandlung war ihr LDL-Spiegel im Blut um 4,5 % und der des oxidierten LDL sogar um 20 % gesunken, verglichen mit Teilnehmern, die einen nicht angereicherten Traubenextrakt oder ein Placebo bekamen (7).

Trans-Resveratrol kann das Gehirn schützen

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass der Genuss von Rotwein helfen kann, den altersbedingten kognitiven Abbau zu verlangsamen (13, 14).

Dies könnte teilweise auf die antioxidative und entzündungshemmende Aktivität von Resveratrol zurückzuführen sein. Resveratrol scheint aber auch mit Proteinfragmenten (den „Beta-Amyloiden“) zu interferieren, die für die Bildung der Plaques, ein Charakteristikum der Alzheimer-Krankheit, entscheidend sind. Zusätzlich scheint Resveratrol eine Kette von Ereignissen auszulösen, die Nervenzellen vor Schäden schützt (neuroprotektive Wirkung).

Trans-Resveratrol kann die Insulinsensitivität erhöhen

Zumindest in Tierstudien hat sich gezeigt, dass Resveratrol auch Vorteile bei Diabetes haben könnte. Dazu gehört die Erhöhung der Insulinsensitivität und dass es diabetesbedingte Folgeerkrankungen verhindern hilft (15-17).

Trans-Resveratrol verlängert die Lebensspanne im Tierversuch

Die Beobachtung, dass Resveratrol die Lebensspanne bei verschiedenen Organismen verlängern kann, hat zahlreiche Wissenschaftler zu Studien angeregt und ein ganz neues Forschungsgebiet eröffnet (8-12).

Es gibt inzwischen Hinweise darauf, dass Resveratrol bestimmte Gene aktiviert, die vor alterstypischen Erkrankungen schützen (9). Resveratrol scheint dabei auf die gleiche Weise zu funktionieren wie die Kalorienbeschränkung (Kalorienrestriktion), die auch die Lebensspanne zu verlängern scheint, indem sie die Aktivierung bestimmter Gene verändert (10, 11). Die Pharmazeutische Zeitung schreibt: „Resveratrol täuscht sozusagen dem Körper eine Kalorienrestriktion vor – die bisher einzige experimentell belegte Methode zur Lebensverlängerung.“ (18)

Wie eine Analyse der Studien zu diesem Thema zeigte, erhöhte Resveratrol die Lebensspanne bei 60% der untersuchten Organismen. Allerdings war der Effekt am stärksten bei Würmern und Fischen, also Arten, die nur entfernt mit uns verwandt sind. (12) Es ist also noch nicht sicher, ob die Verbindung einen ähnlichen Effekt beim Menschen hat.

Literatur:

(1) Multiplicity of effects and health benefits of resveratrol. Medicina (Kaunas). 2016;52:148-55.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1010660X1630009X?via%3Dihub
(2) Effect of resveratrol on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Nutr. 2015;34:27-34.

(3) Resveratrol as a Potential Therapeutic Candidate for the Treatment and Management of Alzheimer's Disease. Curr Top Med Chem 2016;16:1951-60.
(4) Resveratrol regulates neuro-inflammation and induces adaptive immunity in Alzheimer's disease. J Neuroinflammation; 2017;14:1.
(5) Resveratrol and Cardiovascular Diseases. Nutrients. 2016;8:250.
(6) Distinct metabolic effects of resveratrol on lipogenesis markers in mice adipose tissue treated with high-polyunsaturated fat and high-protein diets. Life Sci. 2016;153:66-73.
(7) Consumption of a grape extract supplement containing resveratrol decreases oxidized LDL and ApoB in patients undergoing primary prevention of cardiovascular disease: a triple-blind, 6-month follow-up, placebo-controlled, randomized trial. Mol Nutr Food Res. 2012;56:810-21.
(8) Small molecule activators of sirtuins extend Saccharomyces cerevisiae lifespan. Nature. 2003;425:191-96.
(9) Evidence for a Common Mechanism of SIRT1 Regulation by Allosteric Activators. Science. 2013;339:1216-19.
(10) Sirtuin activators mimic caloric restriction and delay ageing in metazoans. Nature. 2004;430:686-9.
(11) Resveratrol vs. calorie restriction: data from rodents to humans. Exp Gerontol. 2013;48:1018-24.
(12) Resveratrol and Lifespan in Model Organisms. Curr Med Chem. 2016;23:4639-4680.
(13) Resveratrol and Alzheimer’s disease: message in a bottle on red wine and cognition. Front Aging Neurosci. 2014;6:95.
(14) Resveratrol reduces amyloid-beta (Aβ₁₋₄₂)-induced paralysis through targeting proteostasis in an Alzheimer model of Caenorhabditis elegans. Eur J Nutr. 2016;55:741-747.
(15) Resveratrol and Diabetes. Rev Diabet Stud. 2013;10: 236–242.
(16) Resveratrol, a polyphenolic phytoalexin, attenuates diabetic nephropathy in rat. Pharmacology. 2006;76:69-75.
(17) Metabolic effects of resveratrol in mammals – a link between improved insulin action and aging. Curr Aging Sci. 2008;1:145-51.
(18) Resveratrol: Schlüssel für ein langes Leben? Pharmazeutische Zeitung. Ausgabe 29/2007
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-292007/schluessel-fuer-ein-langes-leben/ (abgerufen 26.04.2021)

Über den Author

Dr. Markus Numberger

Nach seiner Promotion im Fach molekulare Neurobiologie (1992, Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, Heidelberg) und einem zweieinhalbjährigen Forschungsaufenthalt in den USA (1993-1995, Emory University, Atlanta, Dept. Pharmacology) arbeitete Dr. Markus Numberger zwei Jahre (1995-1997) als freiberuflicher Autor, Lektor und Übersetzer für verschiedene bio-medizinische Verlage und führte dies in Festanstellung von 1997 bis Ende 2000 weiter. Von November 2000 bis Ende 2013 war er als Projektmanager Internet bei einem führenden Hersteller pflanzlicher Arzneimittel beschäftigt. In dieser Funktion war er für den gesamten deutschsprachigen Internet-Auftritt und das Online Marketing zuständig.

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